Familienbuch Euregio

Sigmund Dreyfuss
* 30.07.1859 jd Speyer    + 26.08.1942 Wiesbaden
Beruf: Textilfabrikant, Geschäftsführer ("M. Dreyfuss Söhne"), Kommerzienrat 
Offizier im 1. Weltkrieg, Stadtrat in Speyer (DDP), Mitglied im Aufsichtsrat der Speyerer Volksbank, Vorsitzender der Fabrikanten Vereinigung Süddeutschlands 
[IGI] [Geburtsurkunde] Speyer, Sigismund Israel Dreyfuss *30.07.1859 Speyer, Sohn von Ferdinand Dreyfuss und Sara Guggenheimer. 
[Scholtes] Joseph Walk: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918-1845, München et al., 1988, S. 69. Dreyfus, Siegmund geb. ? Speyer, Fabrikant - 1920-29 Stadtrat (DDP) in Speyer; Ernennung zum Kommerzienrat; nach November 1938 Umzug nach Wiesbaden, vermutlich dort gestorben. 
Aktives Museum Spiegelgasse, "Zur Erinnerung an Sigmund Dreyfuss", Sigmund, Sohn von Ferdinand Dreyfuss und Ehefrau Sara geb. Guggenheim, wurde am 30. Juli 1859 in eine alteingesessene jüdische Familie in Speyer geboren Der Fabrikant und Kommerzienrat betrieb zusammen mit seinem Bruder Joseph eine vom Großvater 1828 gegründete Kleiderfabrik. (...) Sigmund Dreyfuss bekleidete auch öffentliche Ämter in der Gemeinde. Er war bereits vor und nach dem 1. Weltkrieg, an dem er als Offizier teilnahm, Stadtrat in Speyer. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und besonders seit dem Boykottaufruf 1933 nahmen auch in Speyer antisemitische Agitationen gegen jüdische Mitbürger und Einrichtungen stetig zu. 1935 gab Sigmund Dreyfuss sein Villendomizil auf und bezog eine Wohnung in der Bahnhofstraße 14. Angeblich „auf Anweisung des Gauleiters wegen zunehmender Hetze gegen jüdische Mitbürger“ sei er bedrängt worden, am 09. November 1938 überstürzt die Pfalz zu verlassen. Diese „Ausweisung“ bewahrte ihn wohl vor einer Schutzhaft im Gefolge der Pogromnacht. Seine Wohnung wurde verwüstet und geplündert. Das Mobiliar soll später öffentlich versteigert worden sein. Sigmund Dreyfuss flüchtete zunächst nach Baden Baden, wo er bei seiner Tochter Gertrude, verheiratete Teutsch vorübergehend in der Zeppelinstraße Aufnahme fand. Da ihm eine Aufenthaltsgenehmigung versagt wurde, zog er weiter nach Wiesbaden, wo er ab 5. April 1939 in der Humboldtstraße 9 gelebt hat. Übergangsmäßig wohnte er dann am Neuberg 4 in einer Pension, bevor er am 29. November 1940 in eine Gemeinschaftsunterkunft in der Mainzerstraße eingewiesen wurde. In Kenntnis seiner bevorstehenden Deportation in das Altersghetto in Theresienstadt wählte er am 26. August 1942 den Freitod. Beigesetzt wurde er auf dem jüdischen Friedhof Platter Straße. 
"Aktiv und Dabei," hg. vom Seniorenbüro der Stadt Speyer: Ein Geschenk und großer Schatz Tagebuchaufzeichnungen von Marie Dreyfuss, S. 42-50, hier S. 43, Albert Mühlhauser führte zusammen mit seinem Schwiegervater Sigmund Dreyfuss die "M. Dreyfuss Söhne" Fabrik und das Kleidergeschäft, das in der Maximilianstraße 38/39 lag. Heute werden Sie dort das Kaufhaus „DM“ vorfinden. (...) Maries Vater Sigmund Dreyfuss war über die Jahre eine der Säulen von Speyer. Er gehörte als Mitglied dem Stadtrat, sowie dem Aufsichtsrat der Speyerer Volksbank an, wirkte als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) sozial und politisch, als Vorsitzender der Fabrikanten Vereinigung Süddeutschlands und er besaß (zusammen mit seinem Bruder Josef Dreyfuss) die Fabrik und das Bekleidungsgeschäft „M. Dreyfuss Söhne“. 
[Gedenkbuch] Dreyfuss, Siegmund/Sigmund, geboren am 30. Juli 1859 in Speyer, Bayern (Pfalz), wohnhaft in Speyer, Baden-Baden und Wiesbaden, Todesdatum: 26. August 1942, Todesort: Wiesbaden, Schicksal: Freitod. 
Opfer der Shoa
Eltern: Ferdinand Dreyfuss und Sara Guggenheimer
Link: Aktives Museum Spiegelgasse, Artikel - "Zur Erinnerung an Sigmund Dreyfuss"
Emma Dreyfuss
* 08.10.1861 jd Speyer    + 19.09.1922 Speyer
[IGI] [Geburtsurkunde] StA Speyer, Emma Dreyfuss *08.10.1861, Tochter von Eduard Dreyfuss und Sophia Nathan.  
[Grabstein] Jüdischer Friedhof, Speyer, Emma Dreyfuß geborene Dreyfuss *18.10.1861(!) + 19.09.1922 (Feld: SF, Reihe: 2, Grab: 22).
Eltern: Eduard Dreyfuss und Sophia Nathan
Link: [Grabstein] Emma Dreyfuss
  08.09.1884 Speyer
[IGI] [Heiratsurkunde] StA Speyer, Heirat am 08.09.1884 zwischen Sigismund Dreyfuss *30.07.1859 in Speyer, Sohn von Ferdinand Dreyfuss und Sara Guggenheimer, und Emma Dreyfuss *08.10.1861 in Speyer, Tochter von Eduard Dreyfuss und Sophia Nathan. 
[Familienforschung] Speyer-Kurier, Jüdische Lebensbilder, 11. Sigmund Dreyfuss. Am 08.09.1884 heiratete er, ein Mann von zierlichem Körperbau, in Speyer die um zwei Jahre jüngere und ebenfalls in der Domstadt geborene Textilhändlerin Emma, geb. Dreyfuss. Als Trauzeugen fungierten sein Vater Ferdinand und sein Onkel Emanuel. Wohin die Hochzeitsreise ging, ist unbekannt. Die geräumige Wohnung der Familie Dreyfuss, eine Doppelhaushälfte mit Garten, steht in der Hilgard-Straße 12. Ihre erstgeborene Tochter Marie erblickte im folgenden Jahr, am 28.09.1885, in Speyer das Licht der Welt. Im November 1886 erhielt sie ein Brüderchen, namens Eduard, und im Juni 1888 das Schwesterchen Gertrud als spätere Spielgefährtin. Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, blieb es bei den drei Geschwistern. 
Die Familie wohnte in der Bahnhofstraße 64. 
Link: Speyer-Kurier, Jüdische Lebensbilder, 11. Sigmund Dreyfuss,
Link: "Ein Geschenk und großer Schatz - Tagebuchaufzeichnungen von Marie Dreyfuss"
3 Kinder
Maria Dreyfuss
* 28.09.1885 jd Speyer    + 1942 Auschwitz
[IGI] [Geburtsurkunde] StA Speyer, Maria Dreyfuss *28.09.1885, Tochter von Sigismund Dreyfuss und Emma Dreyfuss. 
[Familienforschung] Aktives Museum Spiegelgasse, "Zur Erinnerung an Sigmund Dreyfuss", Tochter Marie verheiratete Mühlhauser, deportiert 1940, fand ebenfalls in Auschwitz den Tod. 
Speyer-Kurier, Jüdische Lebensbilder, 11. Sigmund Dreyfuss, Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam seine Tochter Marie ins Pensionat „Bonne Brise“ nach Lausanne, der Hauptstadt des schweizerischen Kantons Waadt. Dort badete sie im Sommer fast täglich im Genfer See, wie ihre Mutter im Rhein in der Badesaison. Ihr Vater war im Wanderausschuss des Pfälzer-Waldvereins tätig und machte gerne in seiner Freizeit Gebirgstouren bis in die Gletscherregionen. Marie spielte mit ihren Freundinnen Tennis, war in Konditoreien ein gern gesehener Gast und paukte weiterhin die französische Sprache, wozu noch englisch und italienisch kam. Viele Jungmänner machten dem „gnädigen Fräulein“ den Hof, was ihre Eitelkeit schmeichelte, doch der Erwählte, das heißt, der „Einsam- und der Ehelosigkeit Verlorene“, war ein anderer: Albert Mühlhauser aus Krumbach an der Kammlach / Schwaben, ein stattlicher Mann mit Schnauzer und Fliege im weißen Oberhemd. 
"Aktiv und Dabei," hg. vom Seniorenbüro der Stadt Speyer: Ein Geschenk und großer Schatz Tagebuchaufzeichnungen von Marie Dreyfuss, S. 42-50. 
Tagebucheintrag, November 190?, der über den Besuch bei ihrem Onkel Karl Dreyfuss & ihrer Tante Toni Beer berichtet: "In kurzer Zeit geht´s abermals in die Ferne. Dem Drängen der lieben Verwandten, des Onkel Karl und der Tante Toni, folgend, werde ich einige Zeit in Aachen zubringen. Daß gerade der Karneval in diese Zeit fällt, freut mich riesig. Hier in Speyer geht alles seinen geregelten Gang, die berühmten üppigen Wintervergnügungen, die herrlichen Konzerte der Liedertafel und was dergleichen mehr ist, beginnen erst. Aachen wird mich für das Versäumen dieser Kunstgenüsse reichlich entschädigen." 
[Gedenkbuch] Mühlhauser, Marie Klara Miriam, geborene Dreyfuß, geboren am 28. September 1885 in Speyer, Bayern (Pfalz), wohnhaft in Speyer, Deportation: ab Baden-Pfalz-Saarland, 22. Oktober 1940, Gurs, Internierungslager; Drancy, Sammellager; 12. August 1942, Auschwitz, Vernichtungslager, Todesort: Auschwitz, Vernichtungslager, Schicksal: für tot erklärt 
Opfer der Shoa
∞ 09.03.1909 Ichenhausen mit Albert Mühlhauser
4 Kinder: Stefanie, Franz, Ernest, Klara
Link: "Ein Geschenk und großer Schatz - Tagebuchaufzeichnungen von Marie Dreyfuss"
Eduard Dreyfuss
* 16.11.1886 jd Speyer    + 11.06.1924 Ferrara
Dr. med. Eduard Dreyfuss  
Beruf: Arzt 
Publikation: Eduard Dreyfuss, Über die klinischen Begleiterscheinungen der Typhusschutzimpfung, Wiesbaden 1915. 
[IGI] [Geburtsurkunde] StA Speyer, Eduard Dreyfuss *16.11.1886, Sohn von Sigismund Dreyfuss und Emma Dreyfuss. 
[Familienforschung] Speyer-Kurier, Jüdische Lebensbilder, 11. Sigmund Dreyfuss. Sigmunds einziger Sohn Eduard hatte nicht den väterlichen Beruf übernommen, womit dieser sicher gerechnet hatte, sondern studierte Medizin an der Universität München und wurde nach dem Vorbild seines Onkels Maximilian Arzt, und zwar in Ferrara / Italien. War daraus ein Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn entstanden, wie die Verhältnisse nahezulegen scheinen? (...) In einer Zeitungsanzeige gab Dreyfuss die Hochzeit seines Sohnes Eduard mit Gertrud, geb. Müller, aus Leipzig bekannt. Sie fand im Juni 1922 in Mailand, der wichtigsten Industrie- und Handelsstadt Italiens, statt. (...) Bei der Pflege seiner Patienten hatte sich Eduard im Alter von 37 Jahren eine Augen-Blutvergiftung zugezogen. Unter den Menschen, die ihm das letzte Geleit gaben, befand sich, außer seiner Frau, seinen Freunden und Kollegen, sein 65jähriger Vater, der mit anderen Verwandten aus Deutschland mit der Bahn angereist war. Nach erfolgter Einäscherung der Leiche brachte Sigmund die Urne mit der verbliebenen Asche auf den jüdischen Friedhof in Speyer, wo sie in einem eigenen Grab hinter dem seiner Mutter in aller Stille beigesetzt wurde. Eduard hatte keine Kinder hinterlassen. 
[AlemanniaJudaica] [Todesanzeige] Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 26. Juni 1924: Statt besonderer Anzeige! - In tiefstem Schmerz geben wir von dem am 11. Juni in Ferrara erfolgten Hinscheiden unseres lieben Herrn Dr. med. Eduard Dreyfuss - Kenntnis und bitten um stilles Beileid. Er starb nach schwerem Leiden als Opfer seines Berufes. - Speyer, 15. Juni 1924. Namens der trauernden Hinterbliebenen: Sigmund Dreyfuss. 
[Grabstein] Jüdischer Friedhof, Speyer, Eduard Dreyfuß *16.11.1886 +11.06.1924 (Feld: SF, Reihe: 3, Grab: 1). 
oo 06.1922 Mailand mit Gertrud Müller
Link: Todesanzeige Dr. med. Eduard Dreifuss (1924)
Hedwig Gertrude Dreyfuss
* 14.06.1888 jd Speyer    + 1942 Auschwitz
[IGI] [Geburtsurkunde] StA Speyer, Hedwig Gertrude Dreyfuss *14.06.1888, Tochter von Sigmund Dreyfuss und Emma Dreyfuss. 
[Familienforschung] Aktives Museum Spiegelgasse, "Zur Erinnerung an Sigmund Dreyfuss", Tochter Hedwig Gertrude Teutsch emigrierte nach Frankreich und wurde über Drancy nach Auschwitz deportiert, wo sie zu Tode kam. 
[Gedenkbuch] Teutsch, Hedwig Gertrude Gertrud, geborene Dreyfuß, geboren am 14. Juni 1888 in Speyer, Bayern (Pfalz), wohnhaft in Nürnberg und Baden-Baden, Deportation: ab Baden-Pfalz-Saarland, 22. Oktober 1940, Gurs, Internierungslager; Rivesaltes, Internierungslager; Drancy, Sammellager; 16. September 1942, Auschwitz, Vernichtungslager, Schicksal: für tot erklärt 
oo mit Jakob Teutsch 
Opfer der Shoa

 
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